Europa
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Sommersee

fernwell_sommersee

Sommer. An diesem Wochenende machen wir uns auf zum Baldeneysee. Mit der S-Bahn ist man in einer halben Stunde in Essen Hügel. Gleich hinter dem Bahnsteig ist ein altmodisches griechisches Restaurant, grob verputzt mit blau-weißem Dekor, der Name ist mir entfallen aber könnte vielleicht Akropolis oder Mykonos lauten. (Meine Neugierde lässt mich nicht ruhig – Hügoloss.) Frittendunst zieht aus dem offenen Küchenfenster. Man kann den See schon von der Terrasse sehen. Am anderen Ufer ist ein Campingplatz, Ruderer ziehen lautstark ihre Bahnen, Mädchen mit viel zu hohen Schuhen stöckeln über den Gehweg. Fast mein ganzes Leben habe ich im Ruhrgebiet verbracht, und  das hier ist meine Vorstellung von Sommer.

Ein Bad im See ist ein völlig anderes Erlebnis als etwa im Meer oder im Pool schwimmen zu gehen. Der See hat etwas ganz Natürliches, Unschuldiges, Unperfektes. Der See ist still, das Meer ist aufgeregt. Der See ist unperfekt, das Freibad ist konstruiert. Für mich ist er der Inbegriff von Sommer, ein Tropfen Freiheit. Unvergleichlich dieses weiche Gefühl wenn man seine Beine aneinander vorbeigleiten lässt, und die Sonnencreme vom Wasser davongespült wird um auf der dunklen Wasseroberfläche einen hübschen milchig marmorierten Film zu hinterlassen. Der feine Schmutz, den man klebrig auf den Händen spürt wenn er in der Sonne trocknet. Schwarze Erde, die sich in den winzigen Furchen unter den Füßen festsetzt. Buntes, tropfendes Wassereis. Der Geruch von sattgrünem Gras und Schweiß während man seinen Kopf schläfrig auf dem Arm ruhen lässt. Kleine laute Wellen die am Holzsteg emporplatschen wenn ein Ruderboot vorbeifährt. Die Klingel eines Radfahrers auf dem knisternden Schotterweg. Im Wind zeigt der Baum über mir sein schönstes Schattenspiel, der Rucksack ist gefüllt mit reifem Obst und belegten Broten, im flachen Ufer bleibt das Radler schön kühl. Der Tag fühlt sich unendlich lang an, sorgenfrei.

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