Asien
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Take your time

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Bin nachts angekommen in einer menschenleeren Gegend, habe beim Anblick dreier Jungs auf einem Roller aus Angst lieber den anderen Ausgang aus dem Bahnhof genommen. Musste im 7/11 nach dem Weg fragen, und dann war es ganz in der Nähe. Duschen, skypen, pennen. Nachts die Decke über den Kopf ziehen weil die Klima eisige Luft in mein Bett blies, morgens froh sein nicht zu husten. Zum Mittag mache ich mich auf den Weg in die Stadt. Durch Chinatown, laut, chaotisch, dreckig. Und es ist heiß. Ich laufe einige Meter in die eine Richtung, dann ein paar in die andere um festzustellen, dass ich keine Ahnung habe, wo ich eigentlich hinmöchte. Ich bin müde, überfordert und möchte es mir leicht machen. Glücklicherweise ist Kuala Lumpur von einem guten Netz öffentlicher Verkehrsmittel durchzogen – völlig idiotensicher. Also fahre ich zum KLCC, direkt bei den Petronas Towers. Praktischerweise landet man mit der Kelana Jaya Linie direkt in einer Mall. Malls scheinen sowas das Thema in Kuala Lumpur zu sein. Hochmoderne, glänzende Konsumtempel an jeder Ecke. Entlang des Bukit Bintang, der Haupteinkaufsstraße der Stadt, vereinen sie sich in einem Meer aus Leuchtreklamen und aus jeder Tür bläst eiskalte Luft auf den warmen Bürgersteig.

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Masjid Jamek auf meinem Weg ins Nirgendwo.

Im Suria KLCC, der besagten Mall unterhalb der Petronas Towers, steuere ich als erstes den Foodmarkt an. Ich finde Supermärkte im Ausland immer ziemlich interessant weil man dort wunderbar die (Ess-)Kultur des jeweiligen Landes studieren kann. Kaufen werde ich erst einmal nichts. Doch, ein paar Teilchen vom Bäcker. Ein Croissant, ein Käsegebäckteilchen, und ein rundes Brötchen gefüllt mit einer dunklen Creme (aus Bohnen?). Ich habe die dunkle Vermutung, dass es pürierte Kidneybohnen sein könnten. Die sind nämlich genauso beliebt wie Dosenmais und kommen gerne als knackige Einlage in diverse Kaltgetränke – also ähnlich wie bei Bubble Tea -, oder man bestellt sich gleich einen ganzen Becher davon zum So-Essen.

Jedenfalls schlendre ich so durch die Gegend und sehe mir einige Läden an. Allein bei Kinokuniya kann man schon Stunden verbringen, und ich muss mich zusammenreißen nichts zu kaufen. Nach dem Mittagessen wird mir dann plötzlich übel, ich fühle mich schwach und möchte mich am liebsten hinlegen. Vorsichtshalber erfrage ich den Weg zur nächsten Toilette und lasse mir mein Essen einpacken. Ich verstehe die Welt nicht mehr. Auf dem Weg zurück ins Hostel kommt langsam Panik auf. Eine Mageninfektion direkt am ersten Tag? Das ist nicht spaßig, vor allem wenn man allein ist und womöglich hilflos in seinem Bett dahinsiecht. 

An diesem Nachmittag schlafe ich sehr viel. Drei Mal um genau zu sein, und immer länger als eine Stunde. Spätabends bin ich immer noch zu müde rausgehen. Ich gehe mit knurrendem Magen schlafen und wache am nächsten Morgen völlig gesund wieder auf. Ich bin nicht krank gewesen. Ich habe mir einfach zu viel zugemutet. Es ist wichtig, auf seinen Körper zu hören und sich genug Zeit zur Entspannung nehmen. Und es ist nicht schlimm, nicht alle Sehenswürdigkeiten von seiner Liste abhaken zu können. In meinem Fall habe ich es nicht zu den Petronas Towers geschafft, sondern bin nur in einer beliebigen Mall gewesen. Der nächste Tag wird besser.

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